BR-Enthüllung: Soft2Bet betreibt Infrastruktur für Hunderte illegale Casino-Seiten in Deutschland

Nils Jenkins · Jul 13, 2026

BR-Enthüllung: Soft2Bet betreibt Infrastruktur für Hunderte illegale Casino-Seiten in Deutschland

Illustration zu illegalen Online-Casinos und Glücksspielregulierung in Deutschland

Ein gemeinsamer Untersuchungsbericht von Bayerischer Rundfunk und Investigate Europe hat aufgedeckt, dass Soft2Bet als zentrale Plattform für rund 120 unzulizenzierte Online-Casino-Websites fungiert, die deutschen Spielern offenstehen; dazu zählen Marken wie Wazamba und Rabona, die weder über eine GGL-Lizenz verfügen noch Spielerschutzmechanismen oder transparente Angaben bieten.

Interne Unterlagen belegen, dass das Netzwerk zwischen 2020 und 2024 mehr als 600 Millionen Euro aus diesen illegalen Aktivitäten erwirtschaftete, während Similarweb-Daten allein für Mai 2026 rund acht Millionen Besuche aus Deutschland ausweisen und aggressive Marketingstrategien gegenüber vulnerablen Spielern zum Einsatz kamen.

Hintergründe zur Unternehmensstruktur von Soft2Bet

Soft2Bet mit Sitz auf Zypern und Malta wurde von Uri Poliavich gegründet und liefert die technische Basis für zahlreiche Casino-Plattformen, die ohne deutsche Genehmigung operieren; diese Seiten locken Nutzer mit umfangreichen Spielangeboten an, verzichten jedoch auf die vorgeschriebenen Schutzvorkehrungen wie Altersverifikation oder Einzahlungslimits.

Die Recherche zeigt, dass die Betreiber bewusst auf den deutschen Markt ausgerichtet sind, obwohl der Glücksspielstaatsvertrag klare Lizenzpflichten vorschreibt und unzulizenzierte Angebote untersagt; Behörden wie die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) haben bislang keine direkten Eingriffe gegen dieses Netzwerk dokumentiert.

Ausmaß der illegalen Umsätze und Nutzerzugriffe

Zwischen 2020 und 2024 generierte das Soft2Bet-Netzwerk über 600 Millionen Euro aus Operationen ohne gültige Lizenzen, wobei interne Dokumente detaillierte Buchhaltungsdaten offenlegen, die den Fluss illegaler Gelder nachzeichnen; diese Summen flossen primär aus deutschen Spielern, die über die Plattformen Wazamba, Rabona und ähnliche Marken Zugang fanden.

Similarweb-Analysen erfassen für Mai 2026 allein etwa acht Millionen deutsche Besuche auf diesen Seiten, was auf eine anhaltend hohe Reichweite trotz fehlender Regulierung hindeutet und aggressive Werbemaßnahmen wie personalisierte Angebote für risikobehaftete Nutzergruppen unterstreicht.

Darstellung von Online-Glücksspiel-Aktivitäten und Besuchszahlen in Deutschland 2026

Fehlende Schutzmechanismen und regulatorische Lücken

Die betroffenen Casino-Seiten verzichten auf elementare Spielerschutzfunktionen wie verpflichtende Selbstausschlussregister, Alterskontrollen oder klare Risikohinweise, was sie im Widerspruch zu deutschen Vorgaben stellt; Beobachter der Branche weisen darauf hin, dass solche Defizite vulnerable Gruppen besonders exponieren und den Schwarzmarkt weiter anwachsen lassen.

Der Bericht dokumentiert zudem, dass Soft2Bet als Infrastrukturanbieter die Zahlungsabwicklung und Software-Bereitstellung übernimmt, ohne dass die Endkundenplattformen eigene Lizenzanträge stellen oder Transparenzpflichten erfüllen; dies schafft eine Struktur, bei der Verantwortlichkeiten schwer zuzuordnen sind und Kontrollen erschwert werden.

Reaktionen und weitere Entwicklungen bis Juli 2026

Bis Juli 2026 haben die Enthüllungen noch keine unmittelbaren behördlichen Sanktionen gegen Soft2Bet oder die genannten Marken ausgelöst, obwohl die GGL kontinuierlich gegen unzulizenzierte Anbieter vorgeht; der Bericht selbst verweist auf ähnliche Fälle in anderen EU-Staaten, wo vergleichbare Netzwerke bereits juristisch verfolgt wurden.

Deutsche Nutzer bleiben somit weiterhin exponiert, da die Plattformen über Suchmaschinen und Werbenetzwerke ungehindert erreichbar sind und keine automatischen Sperren greifen; Experten der Glücksspielaufsicht betonen, dass verbesserte technische Blockaden und internationale Kooperationen notwendig erscheinen, um solche Strukturen einzudämmen.

Fazit

Die BR- und Investigate-Europe-Recherche legt ein konkretes Beispiel für die Herausforderungen im deutschen Online-Glücksspielmarkt offen, bei dem ein einzelnes Unternehmen wie Soft2Bet als Drehscheibe für hunderte illegale Angebote agiert und erhebliche Summen generiert; die Zahlen zu Umsätzen, Besuchen und fehlenden Schutzmaßnahmen unterstreichen die Dringlichkeit regulatorischer Anpassungen in den kommenden Monaten.